Foto-Übungen Andreas Christiansen Foto-Übungen Andreas Christiansen

Unscheinbare Details

Manches fällt erst auf, wenn man bewusst hinsieht. Genau darum geht es in meinem neuen Beitrag: um den Blick für kleine Dinge im Alltag.

Ein Abruck an der Wand in Form eines Katzenohres

Diese Foto-Reihe ist meine kleine Übung, um dranzubleiben, kreativ zu bleiben und im Alltag bewusster hinzusehen. Jede Woche nehme ich mir ein Thema vor und versuche, es fotografisch für mich umzusetzen.

Das Thema dieser Woche war unscheinbare Details. Und ehrlich gesagt fiel mir das viel schwerer als gedacht.

In erster Linie lag das daran, dass ich das Thema zu sehr zerdacht habe. Durch die jahrelange Hochzeitsfotografie habe ich mehr und mehr gelernt, auf Details zu achten. Mir fallen also ohnehin schon viele der kleinen, unscheinbaren Dinge auf. Was für mich normal ist, ist für andere vielleicht gerade erst das Besondere. Also stellte sich für mich die Frage: Für wen ist etwas überhaupt unscheinbar? Für mich? Für euch? Ich habe mich nach einer anstrengenden Diskussion mit mir selbst am Ende darauf geeinigt, dass der Schwerpunkt eher auf den Details liegt als auf dem Wort unscheinbar.

Hinzu kam noch, dass ich zu wenig Zeit hatte. Nein, das stimmt nicht ganz. Ich hatte keine Lust. Vor allem nicht bei dem eher miesen Wetter. Aber genau das gehört zu diesem Projekt dazu. Einfach loszugehen, auch wenn man gerade keine Lust hat. Oder die Kamera mitzunehmen, obwohl man normalerweise zu so einem Anlass gar nicht fotografieren würde. Nur auf Trauerfeiern würde ich das vielleicht lassen. Vielleicht aber auch nicht.

Jedenfalls kamen am Ende doch ein paar Fotos zusammen. Überraschenderweise sogar zwei aus der sehr minimalistisch eingerichteten Wohnung. Wenn ein Karton schon so kunstvoll gegen die Schlafzimmerwand fliegt, dass der Abdruck wie ein Katzenohr aussieht, dann kann man das natürlich auch nutzen. Der Kartonwerfer ist übrigens auch auf dem Bild. Er glaubt natürlich, ich hätte ihn dabei nicht gesehen.

Und auch das zweite Foto vom Sonnenuntergang, der aus einem Schwarzweiß-Foto im Flur mal eben ein Farbfoto gemacht hat, musste ich festhalten.

Neben dem genauen Hinsehen gehört übrigens auch eine gehörige Portion Zufall dazu. Einen Regenbogen findet man ja nur unter bestimmten Bedingungen. Und gerade bei diesem Bild habe ich mich gefragt, wie unscheinbar er eigentlich sein kann. Für mich ist er fast wie ein Tomatensoßenfleck auf einem weißen Shirt.

Unterm Strich war es eine schöne Herausforderung. Und ich freue mich jetzt schon auf die neue Aufgabe für die nächste Woche. Wenn Du Lust hast, mach gerne mit.

Das nächste Thema lautet: Linien & Führung.

Dafür brauchst Du keine Kamera — ein Handy reicht völlig aus. Und eigentlich geht es sowieso vor allem darum, es für Dich selbst zu tun und Spaß zu haben.

Durch einen Klick auf die Fotos werden sie in voller Größe dargestellt.

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Licht & Schatten

Mit diesem Beitrag starte ich eine wöchentliche Reihe mit kleinen Foto-Übungen. Das Thema dieser Woche: Licht und Schatten – und der Versuch, genauer hinzusehen.

Diese Foto-Reihe ist meine kleine Übung, um dranzubleiben, kreativ zu bleiben und im Alltag bewusster hinzusehen. Jede Woche nehme ich mir ein Thema vor und versuche, es fotografisch für mich umzusetzen.

Das Thema dieser Woche war Licht und Schatten. Ein Thema, das im Alltag ständig da ist und doch oft nur dann wirklich auffällt, wenn man sich die Zeit nimmt, genauer hinzusehen. Tja — und manchmal hat man fast die ganze Woche über einen bewölkten Himmel, wenig Licht und noch weniger Schatten. Dann steht man da und guckt blöd aus der Wäsche. Aber Aufgabe ist Aufgabe.

Außerdem ist fast immer irgendwo ein Schatten. Eher weich und unscheinbar, schwer zu fotografieren, aber eben da. Vielleicht habe ich deshalb noch genauer darauf geachtet, wann die Sonne doch noch durchkam und dunklere Schatten verursachte.

Dann war es manchmal das Licht im Zimmer, das sich auf der Wand spiegelte. Manchmal ein Schatten, der plötzlich viel spannender wirkte als das eigentliche Objekt. Draußen fand ich Motive, die ich ohne diese Aufgabe vermutlich einfach übersehen hätte: eine Taube im Sonnenlicht, auf die ich minutenlang gewartet habe, bis sie endlich ins Licht spazierte, Milo in einem hellen Lichtfenster auf dem Boden meines Arbeitszimmers, eine Straßenlaterne im Gegenlicht vor dem Himmel, eine Packstation mit der eingerahmten Nummer 229 in hartem Licht.

Es geht nicht darum, möglichst viele Bilder zu machen oder etwas Spektakuläres zu finden. Es geht eher darum, den Blick zu schärfen und den Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, die sonst im Vorbeigehen verschwinden. Licht und Schatten sind dabei keine Gegensätze, sondern oft das, was ein Motiv überhaupt erst interessant macht.

Am Ende ist genau das für mich der Reiz dieser kleinen Reihe: mit einem Thema loszugehen, ohne schon zu wissen, was daraus wird. Und vielleicht auch daran erinnert zu werden, dass der Alltag voller kleiner schöner Dinge steckt, die wir viel zu selten bewusst wahrnehmen.

Wenn Du Lust hast, mach gerne mit.

Das nächste Thema lautet: Unscheinbare Details.

Dafür brauchst Du keine Kamera — ein Handy reicht völlig aus. Und eigentlich geht es sowieso vor allem darum, es für Dich selbst zu tun und Spaß zu haben.


Durch einen Klick auf die Fotos werden sie in voller Größe dargestellt.

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Weniger ist mehr

Warum Einschränkungen kreativer machen: Mit nur 10 Sofortbildern durch den Warwer Sand.

Instax mini90 Sofortbildkamera

Ich glaube, dass es glücklicher machen kann, Dinge nicht zu kaufen. Sich bewusst einzuschränken. Nicht so viel zu besitzen.

Das sieht man schon bei Kindern. Je mehr Spielsachen sie haben, desto unkonzentrierter spielen sie. Weil die anderen Spielsachen ablenken. Fehlt etwas, wird es kreativ: Feuerspeiende Drachen tauchen auf, der Kuchen kommt aus dem unsichtbaren Ofen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich stundenlang versuchte, mit den vorhandenen Legosteinen ein Raumschiff zu bauen oder im Zimmer Fußball spielte und dabei in viele verschiedene Rollen schlüpfte.

Natürlich träumt man als Kind davon, alles zu besitzen. In unserer Welt will jeder mehr haben – eine größere Wohnung, Markenklamotten, neues Auto. Doch die Freude hält meist nicht lange. Schon steht der nächste Wunsch bereit. Bei mir ist der Drang nicht wahnsinnig ausgeprägt, aber auch ich bin davon nicht völlig frei.

Ich probiere gern mal bewusst Einschränkungen aus. Zum Beispiel mit wenigen Zutaten kochen, die gerade da sind. Oft sind die einfachen Gerichte die besten.

Heute habe ich mich fotografisch eingeschränkt: Nur die Sofortbildkamera aus der Schublade genommen. Keine Wechselobjektive, keine Nachbearbeitung. Die Filme sind recht teuer, bei grellem Licht kommt sie schlecht klar. Jedes Bild ist eine Überraschung. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um voller Freude loszuziehen? Denkste.

Mit sechs Aufnahmen und einem Ersatzfilm ging ich durch den Warwer Sand. Ich schaute viel bewusster hin, suchte mir den jeweiligen Bildausschnitt genau aus, stellte die Kamera bedacht ein. Ich probierte viele Perspektiven aus, um das beste Licht zu finden. Manchmal war eine Perspektive, die ich sonst nie in Erwägung gezogen hätte. Es gab logischerweise auch Keine hektischen Serienaufnahmen. Nach jedem Auslösen kam das Papier, ich sah kurz zu, während sich das Bild entwickelte – manchmal enttäuscht. Bild für Bild wanderte in die Jackentasche.

Nach einer Stunde war der Film leer. Im Auto holte ich die Fotos hervor. Die Bilder hatten sich nochmal im Laufe der Entwicklungszeit verändert. Nicht perfekt, nicht scharf, nicht optimal belichtet. Aber sie haben einen ganz eigenen Look, den ich wahnsinnig gern mag. Und weil ich mir für jedes Bild Zeit ließ, bleiben mir diese Momente viel länger im Kopf.

Dieser Spaziergang war schöner als viele mit besserem Equipment.

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Andreas Christiansen Andreas Christiansen

Langeweile aushalten

Was passiert, wenn plötzlich keine Aufgaben mehr warten? Ein persönlicher Text über Langeweile, Unruhe und den Moment, in dem daraus wieder Lust auf Kreativität wird.

Fahrrad an einem metallenen Geländer mit Blick auf die Überseestadt in Bremen, sonniges Morgenlicht

Zwei Dinge sind als Erwachsener eine echte Herausforderung:

  • In den Zustand völliger Langeweile zu kommen und

  • Ihn auszuhalten.

Mir war gar nicht bewusst, wie negativ das Wort „Langeweile“ eigentlich besetzt ist. Laut Definition ist sie ein unangenehmes Gefühl der Leere, der Eintönigkeit – ein Mangel an Anregung, an Beschäftigung. Kein Wunder also, dass wir sie vermeiden wollen. Doch gleichzeitig frage ich mich: Ist diese Leere wirklich so schlecht? Wenn Kinder Langeweile haben, entsteht oft etwas Neues, etwas Phantasievolles.

Überall hört man von Dauerstress, Überforderung, dem Wunsch nach mehr Zeit für sich selbst – und trotzdem sagen viele: „Wenn ich endlich mal wieder Zeit habe, dann werde ich erstmal…“ und schon ist sie da, die nächste Aufgabe. Dieses Bedürfnis, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Wir sind es gewohnt, ständig etwas zu tun. Stillstand ist der Tod. Das singt sogar Herbert Grönemeyer. Und oft verhalten wir uns genau so: Wir rennen, statt einfach mal stehenzubleiben.

Ich kenne beide Seiten gut. Das Gefühl, immer schneller arbeiten zu müssen, um To-do-Listen abzuarbeiten – und die Frustration, wenn das Ergebnis trotz allem nicht zufriedenstellend ist. Außerdem kann man sich einer Sache sicher sein: Kaum ist etwas geschafft, stehen schon neue Aufgaben an. Trotzdem ist da diese Illusion, man könnte das Ende dieser Liste irgendwann erreichen, wenn man sich nur genug Mühe gibt.

Und dann kam das Gegenteil: Es warteten plötzlich keine dringenden Aufgaben auf mich. Oder die Liste war so kurz, dass man sie kaum so nennen konnte. Auf einmal war da dieser freie Raum – und mit ihm ein mulmiges Gefühl, das sich langsam in schlechtes Gewissen verwandelte. Darf ich das einfach, nichts tun? Sollte ich die Zeit nicht nutzen, um etwas „Sinnvolles“ anzufangen? Selbst oder gerade die Ruhe sollte doch produktiv sein, oder? Nein, das fühlte sich falsch an. Und genau dieses Unbehagen wollte ich verstehen.

Also habe ich versucht, die Langeweile auszuhalten. Ich habe geschlafen, Netflix geschaut, durch Instagram gescrollt – ganz bewusst. Ich wollte spüren, wie es ist, einfach nur da zu sein. Irgendwann merkte ich, dass in dieser Ruhe tatsächlich etwas Neues entstand: der Wunsch, wieder kreativ zu sein. Wieder zu fotografieren.

Ein paar Tage später bin ich morgens nach Bremen in die Überseestadt gefahren. Eine Stunde lang habe ich fotografiert – und dann war der Moment einfach rund. Ich wollte dem alten Muster folgen: die Zeit nutzen, weiterfahren, „mehr draus machen“. Doch diesmal habe ich aufgehört. Ich bin nach Hause gefahren. Zufrieden. Mit ein paar schönen Fotos und einem guten Gefühl.

Dinge anzufangen und zu beenden, wenn sie sich richtig anfühlen – nicht aus Pflicht, nicht im Vergleich zu Anderen, sondern aus mir heraus. Vielleicht ist das die wahre Herausforderung: sich selbst genug zu sein, auch wenn gerade nichts passiert.

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