Weniger ist mehr
Ich glaube, dass es glücklicher machen kann, Dinge nicht zu kaufen. Sich bewusst einzuschränken. Nicht so viel zu besitzen.
Das sieht man schon bei Kindern. Je mehr Spielsachen sie haben, desto unkonzentrierter spielen sie. Weil die anderen Spielsachen ablenken. Fehlt etwas, wird es kreativ: Feuerspeiende Drachen tauchen auf, der Kuchen kommt aus dem unsichtbaren Ofen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich stundenlang versuchte, mit den vorhandenen Legosteinen ein Raumschiff zu bauen oder im Zimmer Fußball spielte und dabei in viele verschiedene Rollen schlüpfte.
Natürlich träumt man als Kind davon, alles zu besitzen. In unserer Welt will jeder mehr haben – eine größere Wohnung, Markenklamotten, neues Auto. Doch die Freude hält meist nicht lange. Schon steht der nächste Wunsch bereit. Bei mir ist der Drang nicht wahnsinnig ausgeprägt, aber auch ich bin davon nicht völlig frei.
Ich probiere gern mal bewusst Einschränkungen aus. Zum Beispiel mit wenigen Zutaten kochen, die gerade da sind. Oft sind die einfachen Gerichte die besten.
Heute habe ich mich fotografisch eingeschränkt: Nur die Sofortbildkamera aus der Schublade genommen. Keine Wechselobjektive, keine Nachbearbeitung. Die Filme sind recht teuer, bei grellem Licht kommt sie schlecht klar. Jedes Bild ist eine Überraschung. Nicht gerade die besten Voraussetzungen, um voller Freude loszuziehen? Denkste.
Mit sechs Aufnahmen und einem Ersatzfilm ging ich durch den Warwer Sand. Ich schaute viel bewusster hin, suchte mir den jeweiligen Bildausschnitt genau aus, stellte die Kamera bedacht ein. Ich probierte viele Perspektiven aus, um das beste Licht zu finden. Manchmal war eine Perspektive, die ich sonst nie in Erwägung gezogen hätte. Es gab logischerweise auch Keine hektischen Serienaufnahmen. Nach jedem Auslösen kam das Papier, ich sah kurz zu, während sich das Bild entwickelte – manchmal enttäuscht. Bild für Bild wanderte in die Jackentasche.
Nach einer Stunde war der Film leer. Im Auto holte ich die Fotos hervor. Die Bilder hatten sich nochmal im Laufe der Entwicklungszeit verändert. Nicht perfekt, nicht scharf, nicht optimal belichtet. Aber sie haben einen ganz eigenen Look, den ich wahnsinnig gern mag. Und weil ich mir für jedes Bild Zeit ließ, bleiben mir diese Momente viel länger im Kopf.
Dieser Spaziergang war schöner als viele mit besserem Equipment.