Der Moment erzählt eine Geschichte

Diese Foto-Reihe ist meine kleine Challenge, um dranzubleiben, kreativ zu bleiben und im Alltag bewusster hinzusehen. Jede Woche nehme ich mir ein Thema vor und versuche, es fotografisch für mich umzusetzen.

Ich wusste, dass die Wochenaufgabe nicht einfach würde. Dass sie aber so herausfordernd ist, dass ich sie fast ausfallen lasse, hätte ich nicht gedacht.

Um Fotos zu machen, die eine Geschichte erzählen, braucht es schon ein paar Zutaten: eine zufällige Szene, ein passendes Motiv, ein bisschen Fantasie und manchmal auch Geduld. Die Alternative wäre, eine Szene zu inszenieren. Ich kann zwar eine Kaffeetasse so halten, dass es ganz nett auf einem Foto aussieht. Aber im Inszenieren bin ich wirklich nicht gut. Ich könnte das vermutlich lernen, möchte es aber nicht. Ich fotografiere, um Momente festzuhalten — nicht, um sie zu erschaffen. Das war auch schon bei den Hochzeiten so: den Tag festhalten, sehr gern. Die Paarfotos — ein Muss.

Am liebsten wäre ich in der Woche einfach losgezogen, hätte mich auf ein Straßenfest gestürzt, ins Einkaufsgetümmel oder irgendwohin, wo etwas passiert. Die Wirklichkeit sah anders aus. Es gab — bis auf ganz wenige Ausnahmen — ein Bewegungsdreieck zwischen Zuhause, Arbeit und Supermarkt. Zuhause passiert nicht so wahnsinnig viel, was sich für so ein Foto eignet. Und die Orchidee im Bad, die mit Hilfe einer getigerten Fellnase schon vor einiger Zeit von der Fensterbank auf den Fußboden befördert wurde, kam für diese Aufgabe leider nicht in Frage.

Auf der Arbeit wird nicht fotografiert. Höchstens in der Mittagspause, die ich gern auf dem Friedhof verbringe. Dort passiert nichts. Und genau das mag ich manchmal sehr. Auf dem Arbeitsweg musste sich dann erst ein Rettungswagen zufällig den Weg bahnen, damit überhaupt ein Teil meiner Challenge entstehen konnte. Auch das hätte ich mir anders gewünscht. Ich hätte das Fahrzeug lieber mit längerer Belichtungszeit in Bewegung unscharf gehabt und einen anderen Bildausschnitt gewählt. Die Realität sah anders aus: Die Kamera war im Rucksack auf dem Rücksitz. Sie nach vorn zu holen, hätte mich fast einen ausgekugelten Arm gekostet. Und bis ich sie draußen hatte, war die Szene schon fast wieder vorbei. Also lieber das Foto als gar keins.

Und dieses Foto war bis heute Mittag auch noch das einzige. Bis die Katzen auf den Balkon wollten und sich zumindest noch eine kleine Szene ergab, über die man ein bisschen nachdenken kann.

Es ist relativ einfach, eine Szene abzubilden. Es ist auch relativ einfach, mit mehreren Fotos eine Geschichte zu erzählen. Mit einem Foto ist das schon fast die Königsdisziplin in der Reportage- oder Alltagsfotografie.

Ich habe sie nicht zu meiner vollen Zufriedenheit erfüllt. Aber es geht hier nicht um perfekte Ergebnisse, sondern ums Üben und Dranbleiben. Und deshalb mache ich jetzt einen Haken dran und freue mich auf die nächste Aufgabe. Wenn Du Lust hast, mach gerne mit.

Das nächste Thema lautet: Die Farbe Grün.

Dafür brauchst Du keine Kamera — ein Handy reicht völlig aus. Und eigentlich geht es sowieso vor allem darum, es für Dich selbst zu tun und Spaß zu haben.

Durch einen Klick auf die Fotos werden sie in voller Größe dargestellt.

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Unschärfe und Bewegung