Unschärfe und Bewegung
Diese Foto-Reihe ist meine kleine Challenge, um dranzubleiben, kreativ zu bleiben und im Alltag bewusster hinzusehen. Jede Woche nehme ich mir ein Thema vor und versuche, es fotografisch für mich umzusetzen.
Eine unglaubliche Schärfe, hochauflösende Sensoren – damit werben in der Regel alle Kamerahersteller, wenn eine neue Kamera auf den Markt kommt. Und ja, in bestimmten Bereichen der Fotografie ist das auch total wichtig. Vor allem dann, wenn es darum geht, Gegenstände möglichst präzise abzubilden. Technische Perfektion hat ihren Platz, und natürlich faszinieren mich auch Bilder, wenn sie gestochen scharf ein schönes Motiv zeigen. Eigentlich mag ich scharfes Essen aber lieber, als scharfe Bilder.
Wenn ich mir meine vielen Fotos auf den Festplatten ansehe oder durch die Fotobücher anderer Fotografen blättere, machen mich andere Bilder viel glücklicher. Es sind die unscharfen und unperfekten Fotos, die ich wirklich liebe. Diese Art von Bildern transportiert für mich Situationen und Emotionen viel direkter. Sie fühlen sich weniger nach „abgebildet“ an und mehr nach „erlebt“.
Besonders gut funktioniert das für mich, wenn Menschen oder Tiere im Spiel sind. Ein Blick, eine Bewegung, eine kleine Geste – all das wirkt in einem unscharfen Bild oft sogar stärker als in einem perfekt scharfen. Genau deshalb mag ich auch Momente, die ein bisschen nach Alltag klingen, aber trotzdem etwas Besonderes haben. Eine Katze, die sich auf dem Bett mit ihrer Maus zusammenrollt. Ein Kaffee, der gerade zubereitet wird. Ein Stück Wiese mit blauen Blüten. Oder ein Himmel, der einfach schwer und dicht wirkt.
Dabei spielt für mich der Grund der Unschärfe kaum eine Rolle. Ob die Belichtungszeit zu lang war, weil das Licht nicht gereicht hat. Ob es eine bewusste künstlerische Entscheidung war. Ob sich das Motiv im entscheidenden Moment zu schnell bewegt hat. Oder ob die Kamera absichtlich verrissen wurde, um genau diesen Effekt zu bekommen. Ich mag alle Varianten, solange am Ende etwas entsteht, das mehr Atmosphäre als Perfektion mitbringt.
Wenn dann noch eine ordentliche Körnung dazukommt, hat man mich. Dieser typische Look analoger Fotos von vor zwanzig Jahren oder mehr hat einfach etwas. Diese Bilder haben Charakter Sie wirken für mich ehrlicher, lebendiger und manchmal auch ein bisschen näher an der Erinnerung selbst.
Nicht jedes gute Foto muss gestochen scharf sein. Manchmal ist gerade das Unklare das, was ein Bild interessant macht. Die feine Unschärfe, die Bewegung oder die leichte Unruhe lassen Raum für Stimmung und Interpretation. Und genau das sind oft die Bilder, die am längsten im Kopf bleiben.
Diese Aufgabe konnte ich fast “nebenbei” erfüllen. In der nächsten Woche wird es dagegen schon anspruchsvoller. Ein Thema, bei dem ich die Kamera wohl überall mit hinnehmen werde. Wenn Du Lust hast, mach gerne mit.
Das nächste Thema lautet: Der Moment erzählt eine Geschichte.
Dafür brauchst Du keine Kamera — ein Handy reicht völlig aus. Und eigentlich geht es sowieso vor allem darum, es für Dich selbst zu tun und Spaß zu haben.
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