Muster

Straßenübergang mit weißen Zebrastreifen, die sich regelmäßig über den Asphalt wiederholen.

Diese Foto-Reihe ist meine kleine Challenge, um dranzubleiben, kreativ zu bleiben und im Alltag bewusster hinzusehen. Jede Woche nehme ich mir ein Thema vor und versuche, es fotografisch für mich umzusetzen.

Muster und Wiederholungen klingen erst einmal unfassbar langweilig. In Wirklichkeit sind sie aber ein ziemlich wichtiger Teil davon, wie wir uns in der Welt zurechtfinden – und wie wir fotografieren.

Auch das Fotografieren läuft oft nach einem Muster ab. Zum Beispiel, wenn man das Hauptmotiv immer in der Mitte platziert oder die Drittel-Regel anwendet. Und auch im Alltag gibt es Muster, die uns ein gutes Gefühl oder Sicherheit geben – wenn ich zum Beispiel „Guten Morgen, Alexa“ sage und meine Lieblingsplaylist läuft, während ich den ersten Kaffee mache. Oder wenn ich mir relativ sicher sein kann, dass die Autofahrer vor dem Zebrastreifen stehenbleiben, während ich über die Straße laufe.

Zebrastreifen funktionieren nur, weil sich die weißen Linien klar und regelmäßig wiederholen. Wir wissen aus der Ferne, was sie bedeuten, lange bevor wir die einzelnen Details wahrnehmen. Viele Dinge im Alltag sind genauso gebaut: Pflastersteine, Fensterreihen, Fassaden – sie nutzen Wiederholung als eine Art visuelle Sprache.

In dieser Woche habe ich versucht, solche Muster zu finden. Ich habe mir Motive gesucht, bei denen die Wiederholung klar sichtbar ist: Streifen, Raster, Lichter, die in Reihen auftauchen. Statt nach dem „einen besonderen Moment“ zu suchen, ging es darum, das zu fotografieren, was ständig da ist – und gerade deshalb leicht übersehen wird.

Spannend wird es immer dann, wenn ein Muster aus der Reihe fällt. Ein Schatten, der anders verläuft, eine Linie, die plötzlich bricht, ein gestreiftes Detail, das sich bewegt, während der Rest ruhig bleibt. Genau in diesem Moment kippt das Bild von „Ordnung“ zu „Geschichte“ – ohne dass ich viel erklären muss. Zum Beispiel, wenn bei einer Hausfassade ein Fenster gekippt ist, während alle anderen geschlossen sind.

Je länger ich mich mit den Wiederholungen beschäftige, desto klarer wird mir, wie wenig sie von sich aus Aufmerksamkeit einfordern. Das Gehirn erkennt Zebrastreifen oder andere Muster im Hintergrund und ordnet sie ein, ohne zu hinterfragen, warum die Pflastersteine so angeordnet sind oder warum die Fenster des Hauses alle auf die gleiche Art und Weise angeordnet sind.

Um sie wirklich wahrzunehmen, muss ich langsamer werden und hinschauen.

Vielleicht ist das am Ende die eigentliche Aufgabe dieser Woche gewesen: nicht neue Motive zu finden, sondern die alten so lange anzusehen, bis ihre Muster sichtbar werden.

Das nächste Thema lautet: Spuren und Abnutzung.

Das Ergebnis gibt es in zwei Wochen. Ich habe den Zeitrahmen etwas erweitert, um ein wenig mehr Luft für die Aufgabe zu haben. Vielleicht hast Du ja Lust mitzumachen. Dafür brauchst Du keine Kamera — ein Handy reicht völlig aus. Und eigentlich geht es sowieso vor allem darum, es für Dich selbst zu tun und Spaß zu haben.

Durch einen Klick auf die Fotos werden sie in voller Größe dargestellt.

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Die Farbe Grün