Woche 41
Ich war einen kurzen Moment leicht verwirrt, als ich im Badezimmer unerwartete Wärme unter den Füßen spürte. Die Fußbodenheizung hatte ohne Vorankündigung ihren Sommerschlaf beendet und ihren Dienst aufgenommen. Eine Art Startschuss für den gemütlichen Teil des Jahres.
Fotografisch und auch sonst ist der Herbst meine liebste Jahreszeit. Meinetwegen könnte das ganze Jahr über Herbst sein. Die Temperaturen konstant unter 20 Grad, das farbenfrohe Laub, unfassbar schöne Wolkenformationen und die warme Version des abwechslungsreichen Aprilwetters mit allem, was dazugehört. Sogar und gerade Regenbögen.
Seit meinem Einzug im Februar haben Gärtrud und ich uns die Wohnung geteilt. Ich hielt sie warm, ich fütterte und sie ging. Immer und immer wieder. In dieser Woche ging sie für immer. Gärtrud war mein Sauerteigstarter und plötzlich rosa. Ihr Ende. Würdevoll fand sie in Küchenpapier ihre letzte Ruhe. So buk ich dann aus der Not heraus mein erstes Hefebrot seit langer Zeit und muss sagen, dass es optisch fast noch schöner war als die Brote mit Gärtrud. Der Geschmack war noch nicht ganz so überzeugend, aber ich arbeite dran, während ich noch darüber nachdenke, mir eine neue Mitbewohnerin zu erschaffen.
Der Vormittagsbesuch zum Kaffee wusste, worüber ich mich freue. Chilis sind für mich die größten Überraschungsgeschenke, die es gibt. Vor allem, wenn sie selbst gezogen sind. Man weiß einfach nie, was einen erwartet. Auf jeden Fall war sie im Thai-Curry sehr gut aufgehoben. Während die Schärfe im ersten Moment sehr angenehm war, entwickelte sich ganz plötzlich ein Großfeuer. Es brauchte erst Wasser und dann einen guten Schluck Milch, um es zu löschen.
Nach der farbenfrohen Feier am Tag der deutschen Einheit erscheint Bremen wieder im gewohnten Grau. Auf dem Weg zum und vom Familienfrühstück waren die einzigen Farbkleckse die weiß-roten Baustellenschilder. Diese sind in einer derart großen Anzahl vorhanden, dass sie fast mit dem Grau zu einer Farbe verschmelzen. Sperrungen und Umleitungen in Hülle und Fülle. Ohne Navi wäre ich verloren. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich ab November erwartet, wenn ich wieder inmitten von Grau, Weiß und Rot arbeiten darf.