Wenn Julia und Romeo (ich habe diese Namen gewählt, um jegliche Verbindung zu tatsächlichen Brautpaaren auszuschließen) heiraten wollen, suchen sie auch nach einem Hochzeitsfotografen. Ich möchte euch ein Stück weit zeigen, wie diese „Zusammenarbeit“ vom Erstkontakt bis zur Bildübergabe aus Meiner Sicht der Dinge aussieht und was für mich alles zu beachten ist, wovon das Paar jedoch nichts mitbekommt.

Er ist da - der großte Tag von Julia und Romeo.

Mein Wecker ist so gestellt (und zwar aus Sicherheitsgründen mit mehreren Weckzeiten...vielleicht sollte ich mich da wirklich mal in fachärztliche Behandlung begeben), dass ich den Morgen ganz in Ruhe beginnen kann. Während meine Frau die Tiere versorgt, kümmere ich mich um das Frühstück, esse an diesem Tag aber nicht ganz so viel wie sonst, um nicht gleich in die Fressnarkose zu fallen. Dazu gibt es Kaffee und die Zeitung. Anschließend geht es ins Bad und dann rein in die Klamotten. Ein (vor)letztes Mal werden die eingepackten Taschen kontrolliert und ins Auto gebracht.

Ehrlich gesagt bin ich morgens an Hochzeitstagen für meine Frau nicht der perfekte Gesprächspartner, weil ich mit den Gedanken schon Mitten im Tag stecke. (Sorry, Schatz! :-* )

 

Julia hat ab 11 Uhr ihre Visagistin zu Hause. Da der Zeitraum nach ihrem Getting ready bis zum Beginn der kirchlichen Trauung sehr kurz ist und ich auch Fotos davon machen soll, wie Romeo sich fertig macht, fahre ich  zunächst zu ihm.

Natürlich kontrolliere ich etwa 10 Minuten nach Fahrtbeginn nochmal, ob ich auch WIRKLICH an alles gedacht habe.

 

Ganz entspannt in Jogginghose und T-Shirt macht Romeo mir die Tür auf. Bereits jetzt leisten ihm seine besten Freunde Gesellschaft und sind ebenfalls tiefenentspannt. Anscheinend störe ich gerade dabei, wie sie auf der Playstation den nächsten Fussballmeister ermitteln.

 

Kaum habe ich die Kamera ausgepackt werfen sich die Jungs in Schale. Und zwar so schnell, dass ich das Gefühl habe, die Trauung beginnt in 10 Minuten. Ich halte nicht nur das Binden der Schuhe und Krawatte fest, sondern auch Details des Raumes und die Stimmung. Nur wenige Sekunden nachdem ich signalisiert habe, dass alle wichtigen Fotos im Kasten sind, sitzen sie schon wieder mit dem Controller auf der Couch - in Jogginghose und T-Shirt.

Nun geht es weiter zu Julia.

Hier geht es etwas lebhafter zu. Der Frühstückstisch ist noch gedeckt und wird immer mal wieder zwischendurch von Julia, ihrer Mutter und den ebenfalls anwesenden Freundinnen angesteuert. Sektgläser stehen herum. Die Stimmung ist locker und dennoch zwischendurch immer mal wieder angespannt. Eine absolute Gefühlsachterbahn.

 

Die Visagistin hat Julia passenderweise in den hellsten Raum des Hauses gesetzt, mit dem Gesicht zum Fenster. Perfekte Bedingungen - auch für mich. Und während Julia nun geschminkt wird und die Haare gemacht bekommt, bleibt mir sehr viel Zeit, um viele schöne Fotos zu machen. Auch hier geht es nicht nur um die Braut, sondern auch um die vielen Details drum herum.

Make-up und Frisur sitzen perfekt. Und  jetzt hängt es da, das Brautkleid. Auch davon mache ich natürlich Fotos. Während des Ankleidens bin ich nicht dabei. Ich finde auch, es gibt Momente, in der die Braut nicht unbedingt fotografiert werden muss. Lediglich beim Zuschnüren des Kleides und den letzten Handgriffen bin ich wieder dabei. Das reicht auch für schöne Fotos.

Nun sieht Julia sich zum ersten Mal im Spiegel und findet sich zu Recht wunderschön. Die Blicke der Mutter und der Freundinnen sagen alles, und der Papa wischt sich schnell eine Träne weg.

Julia ist wirklich überpünktlich fertig, was für mich eine sehr gute Gelegenheit ist, um schon mal zur Kirche zu fahren. Wenn ich vor den Gästen da bin, kann ich mich schon mal umschauen, die leere Kirche fotografieren und mit dem Pastor sprechen.

Das erwartet euch dann aber im nächsten Teil.