Wenn Julia und Romeo (ich habe diese Namen gewählt, um jegliche Verbindung zu tatsächlichen Brautpaaren auszuschließen) heiraten wollen, suchen sie auch nach einem Hochzeitsfotografen. Ich möchte euch ein Stück weit zeigen, wie diese „Zusammenarbeit“ vom Erstkontakt bis zur Bildübergabe aus Meiner Sicht der Dinge aussieht und was für mich alles zu beachten ist, wovon das Paar jedoch nichts mitbekommt.

Nun sitzen Julia und Romeo bei mir in der Küche auf dem gemütlichen Sofa und sind sichtlich gespannt, was sie so erwartet. Meine erste Frage lautet oft „Wie seid ihr überhaupt auf mich gekommen?“ Das ist für mich schon wichtig, weil ich so gucken kann, ob sich die eine oder andere zeitliche Investition bei Facebook & Co überhaupt gelohnt hat und dort ankommt, wo sie ankommen soll: Bei heiratswilligen Paaren. Und sofern sie auf eine Empfehlung eines Paares zu mir kommen, werde ich mich natürlich bei ihnen für die Empfehlung anschließend bedanken.

Worum geht es nun im Vorgespräch? Es geht darum, sich kennenzulernen. Nicht mehr und nicht weniger. Denn, wie schon gesagt, für einen schönen, gemeinsamen Tag muss die Chemie stimmen.

 

Natürlich frage ich, wie Julia und Romeo sich ihre Hochzeit vorstellen, ob es schon feste Programmpunkte und Ideen gibt, wo geheiratet und gefeiert wird und worauf sie Wert legen. Meistens geht es aber auch um das Zeitmanagement. Wann wird was gemacht und wie lange wird es dauern. Julia und Romeo heiraten ja schließlich zum ersten Mal und wissen gar nicht wirklich, was alles auf sie zukommt. Hier kann ich ein paar Tipps oder auch Denkanstöße geben, damit der Tag für sie so entspannt wie möglich wird.

Ich möchte aber noch viel mehr von ihnen wissen, ohne dass sie es merken: Wie sind sie miteinander?

Sind sie eher ein „Wolke-7-Paar“ oder sitzen sie vorsichtshalber auf „Wolke 4“? Eher romantisch oder cool? Kommunikativ oder schweigsam? Zurückhaltend oder draufgängerisch? Das ist für mich im Umgang mit den Beiden sehr wichtig. Gerade für die Paarfotos am Hochzeitstag ist es gut zu wissen, wie ich die beiden so „packen“ kann, dass sie sich in ihrer ungewohnten Rolle wohlfühlen und schöne Fotos entstehen können.

 

Und während wir so reden blättern sie in den Fotobüchern, die auf dem Küchentisch liegen. Einen Teil der Fotos kennt Julia schon von meiner Facebook- oder Instagram-Seite, Romeo eher nicht.

 

Außerdem haben Julia und Romeo auch noch ein paar Fragen, was die Bildanzahl und –auswahl angeht. Und was ist eigentlich mit den Paarfotos, wenn es regnet? Und dann fehlt in der Planung auch noch ein DJ, eine Floristin oder Goldschmiedin. Auch in diesem Punkt versuche ich gerne zu helfen, wobei ich auch sagen muss: Ich bin Fotograf, aber kein Hochzeitsplaner. Und sofern die Planungen noch ganz am Anfang stehen und die Beiden offensichtlich Unterstützung brauchen, empfehle ich da auch gerne eine Hochzeitsplanerin, die mit ihren Erfahrungen und Kontakten bestens weiterhelfen kann.

Ich habe während des Gesprächs recht schnell festgestellt, dass ich die beiden mag und riesig Lust habe, sie an ihrem Hochzeitstag zu begleiten. Da ich sie aber hier und jetzt nicht in Verlegenheit bringen möchte, gebe ich ihnen das Formular für die Vertragsdaten und meine Visitenkarte und bitte sie, sich in den nächsten sieben Tagen in Ruhe zu überlegen, ob ich der richtige Fotograf für sie bin.

 

Die letzten zwei Stunden sind schnell vergangen, in den Köpfen von Julia und Romeo sind nun einige Fragezeichen verschwunden und vielleicht noch ein paar Punkte hinzugekommen, die es zu beachten gilt.

 

Ich bringe die Beiden – dieses Mal ohne die Hunde, die friedlich schlafen – zu ihrer Kutsche, verabschiede sie und hoffe, bald von ihnen zu hören.

Im nächsten Teil geht es um den notwendigen, bürokratischen Kram, denn: Sie haben mich gebucht!