2022 - Ein besonderes Jahr

Schon von den beiden Jahren zuvor dachte ich, sie seien besonders. 2022 hat das aber nochmal getoppt.

 

Es fing mehr als holperig an. Im Januar saß ich - im übertragenen Sinne - in einer kleinen, dunklen Höhle und wollte nur eines: meine Ruhe. Die Monate zuvor waren psychisch wahnsinnig herausfordernd. Und so hatte ich total die Lust an der Fotografie verloren.

 

So richtig bewusst ist es mir geworden, als ich dem zweiten Paar in Folge, das zum Vorgespräch für eine Hochzeit 2023 bei mir war, anschließend sagen musste "Ihr seid total nett, aber ich habe gerade nicht das Gefühl, dass ich eure Hochzeit so begleiten kann. Ich glaube, ich kann meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Bevor ich keine gute Arbeit abliefern kann..."
Ich hatte das Bedürfnis nach einer Pause im Jahr 2023.

 

Kleiner Spoiler: Ich mache weiter.

 

Ich brauchte ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken, woher dieses Gefühl kam. Was mich so unzufrieden machte. Und dann habe ich es einfach genossen, nicht darüber nachzudenken, ob noch Anfragen kommen, was ich noch verändern kann, damit meine Webseite ansprechender wird und mit welchen Posts ich bei Instagram Interesse wecken kann. 

 

Diese Phase war wahnsinnig wichtig für mich. Auch mal wieder privat zu fotografieren. Ohne abliefern zu müssen.

In dieser Zeit habe ich an der einen oder anderen Schraube für mich gedreht und auch meine Einstellung zur (Hochzeits-)Fotografie und dem, was ich damit erreichen möchte verändert. Das hat viel Druck rausgenommen.
So viel, dass ich pünktlich zur ersten Hochzeit im April wieder Lust hatte, die schönen Momente festzuhalten. 

 

Es folgten in diesem Jahr bis Ende September noch weitere 15 tolle Hochzeiten. Und zum ersten Mal in acht Jahren Hochzeitsfotografie hatte ich auch in der Nacharbeit deutlich weniger Stress. Ich bin nicht - wie in den vergangenen Jahren - um vier Uhr aufgestanden, um Fotos zu bearbeiten, bevor ich meinem Hauptjob nachging. Ich sehe den Schlaf nicht mehr als verschwendete Zeit, sondern als absolute Notwendigkeit an.

Das Gefühl fotografisch nicht gut genug zu sein, mich nicht weiterentwickelt zu haben, kannte ich schon. Das habe ich nach jeder Hochzeitssaison und ist emotional viel oberflächlicher, als das Tief am Jahresanfang. Und so habe ich eines Abends meinen Mut zusammengenommen und mir ein 1:1-Coaching bei Alexey Testov gegönnt. Eine der besten Entscheidungen des Jahres. Und ich hoffe, die Tipps so umsetzen zu können, dass ich auch selbst einen Fortschritt erkenne. Es hat mich auf jeden Fall wieder motiviert zu lernen und vor allem wieder mehr üben zu wollen. "Du kannst nicht nur Konzerte spielen." Recht hat er. Es sollte nicht immer nur darum gehen, Erwartungen zu erfüllen. Sondern auch um auszuprobieren, Fehler machen und neue Dinge lernen. Dafür iist eine Hochzeit die absolut falsche Bühne.

Fotografisch war das Jahr für mich insgesamt sehr zufriedenstellend. Nicht wirtschaftlich, sondern vom Gefühl her. Es waren tolle Paare, schöne Begegnungen, einzigartige Momente. Und ich freue mich über jedes Paar, zu dem ich auch anschließend noch Kontakt habe.

 

Fotografisch bestand das Jahr aber nicht nur aus Hochzeiten. Ich durfte drei Tage lang einen Messerschmiede-Workshop begleiten, die Mannschaft von Tristan im Pokal und bei der Meisterfeier fotografiert, schöne Fotos für die K-Scheune gemacht, das neue Projekt "Walk with me" gestartet und - das war mein Herzensprojekt in diesem Jahr - ein ganz tolles Paar nach vielen, vielen Jahren Ehe nochmal in ihrer Hochzeitskleidung fotografiert, bevor er wenige Monate später leider diese Welt verlassen musste.

Mein privates Jahr 2022 möchte ich nur kurz anreißen.

 

Der Höhepunkt eines eher höhepunktarmen Jahres war sicher unsere freie Trauung im eigenen Garten. Ein großartiger Tag mit großartigem Wetter.

 

Zwei wichtige Mitglieder - die Anführer - unserer Herde haben uns verlassen müssen. Ein "Baby" ist dazugekommen und wird irgendwann in die Rolle des Kapitäns heranwachsen. Auf jeden Fall hat er sich wahnsinnig schnell integriert.

 

Und während die Tiere stets treue Begleiter sind, ist es bei den Menschen außerhalb der Familie eher ein Kommen und Gehen. Es hört sich vielleicht etwas unemotional an, aber mir fällt es leichter, wenn ich diese Beziehungen nicht mit dem Stempel "Freunde fürs Leben", sondern "Lebensabschnittsbegleiter" versehe. 

 

So, da hab ich die Stimmungskiste zum Ende nochmal aufgemacht und Tröten und Konfetti verteilt. :)

Wo wir gerade bei Konfetti sind: Ich wünsche euch schöne Weihnachtstage und ein zufriedenes und gesundes Jahr 2023, in dem wir uns hoffentlich sehen, hören, lesen... Persönlich oder auf Instagram & Co. Und natürlich ganz lieben Dank für euer Interesse an Meine(r) Sicht der Dinge. Ich freue mich sehr auf das nächste Jahr mit euch.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    André (Freitag, 23 Dezember 2022 09:43)

    Eine schöne und interessante Reise hast Du in diesem Jahr hinter Dir! Sicherlich bleibt einiges „hängen „ das Deine Seele bereichert!
    Euch ebenso eine gesegnete Weihnachtszeit und nur das Beste für 2023! Liebe Grüße